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Vor genau einem Jahr ist unser Hospiz-Buch »Was ich noch zu sagen hätte« erschienen und bevor diese Reise nun langsam endet, möchten wir noch ein kleines Kapitel mit euch teilen:

 

 

Am Rande einer Veranstaltung spricht mich eine ältere Dame ganz leise von der Seite an:

 

»Entschuldigen Sie bitte, wäre es Ihnen vielleicht möglich auch mein Buch noch zu signieren?«

 

»Aber gern, haben Sie einen konkreten Wunsch?«

 

»Ja, schreiben Sie bitte – für Rosie und Walter.«

 

 

Während ich durch das Buch blätternd die erste Seite suche, fällt mir ein altes Schwarz-Weiß-Foto in die Hände, es zeigt ein junges Paar in den Bergen. Ich erkenne die Frau, die nun drei, vier Jahrzehnte später vor mir steht.

 

»Ist das denn Ihr Walter?«, frage ich sie.

 

»Ja, das ist er. Wissen Sie, er wollte sein ganzes Leben lang einmal mit dem Glacier-Express durch die Schweizer Alpen fahren. Das ist der langsamste Schnellzug der Welt! Das hat aber leider nicht mehr geklappt.«

 

»Oh, das tut mir sehr leid.«

 

»Ja, das tat es mir lange auch, sehr sogar. Sogar so sehr, dass sich die Jahre danach ganz taub anfühlten. Irgendwann brachte meine Tochter dann Ihr Buch mit. Das mag sich jetzt vielleicht verrückt anhören, aber als ich die Geschichte von Margarete las, die ihren Ferdinand verloren hatte, da ist mir plötzlich aufgefallen: ich bin ja auch noch hier, ich lebe ja noch. Also habe ich mir ein Ticket für den Glacier-Express gekauft. Und glauben Sie es oder nicht, mein Walter war dabei! Ich habe mich ewig nicht mehr so lebendig und ihm nah gefühlt.«

 

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Übrigens zum 1. Geburtstag gibt es WAS ICH NOCH ZU SAGEN HÄTTE für nur 15 statt bisher 25 Euro – allerdings nur für kurze Zeit und nur unter: www.deine-meilensteine.de/büchershop

»Liebe Menschen,

 

dieses Buch hat mich verändert. Es hat mich über ein Jahr beschäftigt und wird es weiter tun. In den letzten zwölf Monaten habe ich Sterbende getroffen und mit ihnen über das Leben gesprochen, über das was sie von ihrem gelernt haben.

 

Was sich im ersten Moment schwer, beinahe unerträglich anhören mag, war in Wirklichkeit etwas Befreiendes, denn die vielfältigen Begegnungen wirkten Augen und Herzen öffnend, sie haben mich – mitten durch die Angst und den Schmerz – zu mir geführt und mich dem Leben nähergebracht.

 

Mein besonderer Dank gilt den mutigen Menschen, die mir am Ende ihres Lebens einen Einblick geschenkt haben, in das, was sie beschäftigt und bewegt. Ich hoffe sehr, es ist mir gelungen, dir mir anvertraute Essenz dieses einen Moments richtig zu verstehen und wiederzugeben. « Tim Wache, Autor

 

»Was ich noch zu sagen hätte« erzählt von zwölf dieser Begegnungen und erscheint offiziell am kommenden Freitag, dem 11. September 2020. Es ist ab sofort in unserem Online-Shop bestellbar und zudem in folgenden Läden in Jena zu erwerben:

 

Jenaer Bücherstube | Buchhandlung Albert Steen | Holz & Hygge | Del.Corazon. Store Jena | HAUPTSACHE mit Liebe & Zeit

 

Der gesamte Erlös aus der 1. Auflage wird zu 100 % dem Förderverein Hospiz Jena gespendet, um deren wichtige und wertvolle Arbeit zu unterstützen.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Menschen, die im Rahmen des Crowdfundings vor einem Jahr dieses Buchprojekt überhaupt erst möglich gemacht haben.

 

Sonnige Grüße,

Martina & Tim

 

 

Liebe Menschen,

die Sie die Meilensteine verfolgen und unser Hospiz-Buchprojekt unterstützen,

 

wir möchten uns für Ihre Geduld bedanken und Ihnen hiermit einen ganz persönlichen Einblick in den aktuellen Stand des Projektes geben:

 

»Als vor vielen, vielen Jahren einer meiner besten Freunde starb, hielt sich mein schweres Herz an einem versöhnlichen Gedanken fest: Er ist nicht von mir gegangen, er ist lediglich vor mir gegangen und sitzt jetzt irgendwo da oben mit einem Haufen cooler Leute zusammen; dem geht’s bestimmt gut da! Und wahrscheinlich warten sie alle auf mich und singen und lachen sich schon einmal warm. Das half in dem Moment, auch wenn es natürlich nur die halbe Wahrheit darstellt. Die bitterere Hälfte ist: weder das Leben, noch das Sterben sind plan- geschweige denn kontrollierbar; genau das macht uns Angst, genau dem stemmen wir uns auf mehr oder weniger obskure Weise entgegen, genau das ist es, was uns letztlich den Umgang mit dem Leben und dem Sterben so schwer macht.«

 

Dem menschlichen Reflex, im Zweifel der Verwundbarkeit lieber wegzuschauen, wegzuschieben und das ganze Dilemma zu ignorieren, wollten wir etwas entgegensetzen – das war unser Motiv zu diesem Hospiz-Buchprojekt. Wir wollten uns dieser Angst stellen und etwas über das Leben lernen, in dem wir uns mit dem Sterben im Allgemeinen und den Sterbenden im Speziellen beschäftigen.

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir begriffen haben, dass wir für dieses Projekt nicht das passende Handwerkszeug in unserem Werkzeugkasten besaßen. Wir hatten intensive Begegnungen und Momente mit Menschen – so wie in allen anderen Buchprojekten zuvor auch. Wir nahmen uns viel Zeit, das Erlebte sacken und arbeiten zu lassen – so wie wir es stets angehen und zulassen. Doch diesmal kam der entscheidende Moment nicht. Dieses diffuse, beinahe unerklärliche Gefühl, nun gedanklich genug über der Geschichte gebrütet zu haben und mit der Arbeit beginnen zu können, es blieb einfach aus und wollte sich partout nicht einstellen – das war gänzlich neu und führte jeden Zeitplan automatisch ad absurdum. Irgendwann kamen wir uns jedoch auf die Schliche, denn wir hatten uns lange Zeit etwas vorgemacht:

 

Wir dachten, wir könnten dieses Buch angehen und planen, wie jedes andere auch. Das war ein Trugschluss, weil wir den Menschen, um die es diesmal geht, nur einmal begegnen. Es gibt genau einen gemeinsamen Moment. Es gibt genau einen persönlichen Eindruck, und zwar in einer Extremsituation, im unmittelbaren Umfeld des Sterbens. Das ist eine Herausforderung, in uns und bezüglich unserer verantwortungs- wie vertrauensvollen Aufgabe als Erzähler, die wir lange unterschätzt haben.

 

Die Menschen, die sich bereit erklärten, uns in dieser besonderen Lebenssituation zu treffen, die uns die Essenz ihres Lebens, ihrer Erfahrungen in unserer allerersten und gleichzeitig allerletzten Begegnung anvertrauten, sind bis auf eine Ausnahme nicht mehr da. Sie werden nie lesen, was wir über sie schreiben; wie wir sie, ihr Leben und unsere Begegnung empfanden. Wir werden nie erfahren, ob wir sie richtig verstanden haben, ob es uns gelungen ist, das was sie mit uns allen teilen wollten, richtig zu übermitteln. Keine Kontrolle, keine Zustimmung darüber zu haben, hat uns unsicher werden lassen und Angst gemacht; viel mehr als wir es vermuteten, als wir es »geplant« hatten und uns vorstellen konnten.

 

Im Wesentlichen ist das der Grund, warum Sie alle noch immer nicht das Buch Ihren Händen halten, welches Sie mit Ihrer dankenswerten Unterstützung überhaupt erst ermöglicht haben. Wir können uns folglich nur entschuldigen, dass der zeitliche Plan von uns nicht eingehalten wurde und Ihnen gleichwohl versichern, dass uns die Einhaltung des inhaltlichen Plans wichtiger erschien. Inzwischen haben wir uns das fehlende Handwerkszeug im Umgang mit diesem besonderen Projekt und seinen unglaublichen Menschen und Begegnungen angeeignet.

 

Anfang September 2020 feiert der Förderverein Hospiz Jena sein 25-jähriges Bestehen. Durch die aktuelle Krisenlage, die Begegnungen mit Menschen so schwierig macht, weiß niemand, ob dieses achtenswerte Jubiläum auch gefeiert werden darf. In jedem Fall werden wir zu diesem Zeitpunkt unser Hospiz-Buch: »Was ich noch zu sagen hätte« veröffentlichen und Ihnen zukommen lassen.

 

Wir hoffen auf Ihr Verständnis.

Bleiben Sie gesund und liebevoll, zu sich und den Menschen in Ihrem Umfeld.

 

Herzlichst, Martina & Tim.